Verletzung der Netzneutralität durch Inode/UPC

June 15th, 2009 by Ralf Schlatterbeck

Seit einiger Zeit bekommt man von Inode/UPC einen automatischen Nameserver (DNS) zugeteilt der bei offensichtlichen Tippfehlern (wenn ein Benutzer sich beim Namen einer Webseite verschreibt) eine Werbe- und Suchmaschine von UPC zurückliefert — statt dem Benutzer mitzuteilen, dass es diese Domain nicht gibt.

Diese Verhalten eines der wichtigsten Services im Internet — der Namensauflösung — verletzt klar die Netzneutralität wie auch schon im Jahr 2007 von Ed Felten in seinem Blog im Falle Verizon festgestellt wurde. Verizon hat wohl seither auf diese Praxis — nach vielen Protesten — wieder verzichtet. Berechtigterweise wurde UPC für diese Praxis für den Big Brother Award nominiert — die gesammelten Daten gehen offensichtlich an einen ausländischen Werbeunternehmer. Zumindest in einem Fall kommt es bei diesem Verhalten zu Probleme bei Telefonie im Internet wie einem Forum Posting zu entnehmen ist.

Schlimmer noch: UPC liefert falschen Information auch für Domains die ganz klar von jemand anderem reserviert sind. Wenn ich also nonexistent.source-forge.org ansurfe komme ich auch auf die Werbeseite von UPC — obwohl source-forge.org (ja mit Bindestrich) von dem grossen Open Source Projekthoster sourceforge reserviert ist. Hoffentlich lässt es da mal jemand auf ein Gerichtsverfahren wegen unlauterem Wettbewerb ankommen. Wäre vermutlich recht lukrativ, jedenfalls bei anderen Firmen als Sourceforge.

Mir war das bisher nicht aufgefallen, aber offensichtlich wurden ehemalige Inode-Kunden erst vor kurzem umgestellt, UPC-Telekabel Kunden offensichtlich schon früher.

Heute habe ich mich bei der UPC-Hotline beschwert. Man werde an dem Fall arbeiten und “den Fehler” beheben. Leider könne man mir keine Ticket-Nummer geben unter welcher ich meine Beschwerde nochmal urgieren kann — aber ich könne ja “in einigen Tagen” wieder anrufen. Ein Rückruf wurde mir versprochen, mal sehen ob da was kommt. Ich habe den Hotline-Bearbeiter freundlich darauf hingewiesen, dass es sich ja nicht um einen unbekannten Fehler handeln kann, wenn UPC dafür bereits für den Big Brother Award nominiert wurde.

Inzwischen habe ich einen Workaround gefunden: UPC hat die alten, funktionierenden Nameserver nicht abgeschaltet, in obigem Link des ip-phone-forums findet man funktionierende DNS-Server: 195.34.133.25 und 195.34.133.26 die man fix einstellen kann. Weitere Tips finden sich als Antwort auf mein Posting an die LUGA-Mailingliste. Die alternative ist, gleich einen eigenen Nameserver zu betreiben (unter Linux sehr einfach möglich) oder auf alternative Namenshierarchien umzusatteln wie z.B. opennicproject — auch wenn man bei Verwendung von Alternativen von einer deutschen Ministerin gleich als pädophil eingestuft wird. Es ist kaum zu glauben, was manche Politiker für einen Schwachsinn von sich geben.

3 Responses to “Verletzung der Netzneutralität durch Inode/UPC”

  1. Christian Tanzer Says:

    Auch die Nameserver 195.58.161.122 und 195.58.160.194 funktionieren so wie sie sollten::

    $ host nonexistent.source-forge.org
    Host nonexistent.source-forge.org not found: 3(NXDOMAIN)

  2. Evangelische Christen als Blockwarte von Frau von der Leyen | Linux Datenschutz Politik Says:

    […] Runtux Blog » Blog Archive » Verletzung der Netzneutralität durch … […]

  3. Ralf Schlatterbeck Says:

    2009-08-07 Bis jetzt keinen Rückruf von UPC. Hat jemand was anderes erwartet?


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